Drogerie Fischer, Hauptstraße 32

Haus-alt1Das Alter des Hauses ist nicht bekannt. An diesem Standort dürfte   jedoch bereits im 18. Jahrhundert ein Haus gestanden haben. Im Zuge der Erbteilung aus Ableben des Kaufmanns Karl Sailer, genannt „Roher Karle“; erhielt der Kaufmann Cölestin Fischer aus Yach das jetzige Haus als Erbe für 3.000 Mark übereignet. Der 32jährige Cölestin Fischer betrieb das „Gemischtwarengeschäft" auf 18 qm Ladenfläche. Seine „Handlung" bot den Bedürfnissen entsprechend folgende Produkte an: Woll- und Kurzwaren, Kolonialwaren, Rauchwaren wie Tabak, Tabaksbeutel, Zigaretten, Zigarettenpapier, Schnupf- und Kautabake („Schick"), Stoffe, Glaswaren aller Art, Mausefallen, Baumaterialien, Petroleum und andere Brennmaterialien, Lebensmittel einschließlich Sauerkraut aus der Stande.

Es bestand zudem eine Erlaubnis zum Großvertrieb von Tabaken. Ferner erhielt der Krämerladen die Genehmigung zur Aufstellung eines „Drogenkastens", aus dem Stoffe für die Heilkunde und entsprechende Präparate, aber auch Giftwaren (damals zulässig) veräußert wurden. Zeitweise wurde eine Kaffeerösterei betrieben. Später kam der Verkauf fertiger Farbenprodukte hinzu, von denen bestimmte Farben auch selbst hergestellt wurden. Längere Zeit wurde die große Waage auf dem „Denkmalplatz", heute Nikolausplatz genannt, betreut.

Dieses Warenangebot wurde nach der Geschäftsübernahme 1918 von Emil Fischer und dessen Ehefrau Lina Fischer geb. Pfaff, die eine Kohlehandlung in das Geschäft einbrachte, beibehalten und teilweise erweitert. Schon Cölestin Fischer betrieb einen Besenhandel, der von Emil Fischer in den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zum Großhandel ausgeweitet wurde. Unter dem Firmennamen „Schwarzwälder Strohtaschenindustrie Fischer + Rapp" wurden Strohtaschen in mehreren Größen und nach Farben sortiert abgesetzt. Lina Fischer betrieb bis etwa 1975 auch eine Wellensittichvogelzucht mit dem Verkauf der Vögel über den Stadtbereich hinaus.

Der gelernte Industriekaufmann und Drogist Richard Fischer und dessen Ehefrau Hilde übernahmen 1961 das elterliche Geschäft. Der Gemischtwarenhandel bisheriger Art in Form eines Tante-Emma-Ladens" wurde aufgegeben und eine Drogerie eingerichtet. Vertrieben wurden nun neben den üblichen Drogerie- und Kosmetikartikeln auch Reformhausprodukte. Unter den neuen Besitzern setzten weitere Spezialisierungen ein. 1973 kam im Untergeschoß auch der Absatz von Kinderbekleidung hinzu. Ferner wurde eine Fotoabteilung aufgebaut.

Zwischen 1961 und 1994 wurden die Geschäftsräume sechsmal umgebaut und jedes Mal weitere Räume, wie Küche, Nebenräume und der Keller in den Laden einbezogen. Unter Berücksichtigung der Wohnungsumbauten waren es seit den fünfziger Jahren insgesamt acht Umbauten. Die heutige Ladenfläche des modernen Fachgeschäfts für Drogerie-, Reformhaus- und Fotoartikel sowie für Kinderbekleidung beträgt circa 140 qm.

1996 wurde der Dachstuhl zu einem ansprechenden Fotostudio mit Bilderrahmung ausgebaut, weshalb sich die Geschäftsfläche nochmals um rund 90 qm erhöhte. Gegenüber früher hat sich auch die straßenseitige Hausfront infolge Ausbaus des Wohnbereichs in den oberen Stockwerken grundlegend verändert. Insbesondere wurden die Schaufenster und der Eingangsbereich verkaufsoptischen Bedürfnissen angepasst.

An dem Haus befindet sich eine vom Elzacher Künstler Erwin Krumm geschaffene Pieta.

 

29.05.19